MODUL 1
Gründung, Entwicklung und Betrieb eines interkulturellen Gartens als soziales Integrationsprojekt

Übersicht:

Das Modul veranschaulicht die Aufgaben und notwendigen Schritte zum Aufbau und Betrieb eines interkulturellen Gartens als soziales Integrationsprojekt.

Die Schwerpunkte dieses Moduls sind:

  • Gründung eines interkulturellen
    Gartens
  • Einbeziehung aller Teilnehmer*innen
  • Weiterführung des Projekts

Wissen

  • Aufgaben beim Aufbau eines interkulturellen Gartens koordinieren und durchführen
  • Aufbau von Strukturen, Organisation, Führung und Budgetplanung
  • Organisatorische Herausforderungen aufzeigen und Lösungen finden

Fähigkeiten

  • Leitung einer komplexen Organisation in einem multikulturellen Umfeld
  • Aneignung von Soft Skills wie Teamarbeit, Kommunikation und Delegation

Ansätze

  • Kombination von urbanem Gartenbau und sozialer Integration
  • Verbesserung des Verständnisses für die Gesellschaft, die Werte und die Kultur des Gastlandes
  • Schaffung einer gemeinsamen Basis für die Interaktion, zwischen Migrant*innen und der lokalen Bevölkerung

Interkulturelle Gärten bringen Menschen aus allen Gesellschaftsschichten - Einheimische, Migrant*innen und Menschen mit Fluchterfahrung - zusammen. Viele dieser Gärten sind meist in übergeordnete soziale Projekte eingebunden und bieten die Möglichkeit die soziale Integration von Migrant*innen und Menschen mit Fluchterfahrungen zu fördern und sie in den neuen Aufenthaltsländern zu stärken. Sie bieten einen sicheren Rahmen, in dem die Menschen miteinander in Kontakt treten können. Die Anzahl dieser Gärten nimmt in vielen europäischen Ländern stetig zu.

  • Gemeinschaftsgärten beinhalten informelle Lernmöglichkeiten in den
    Bereichen Natur und Gartenbau sowie vielen weiteren praktischen
    Tätigkeiten.
  • Gemeinschaftsgärten bieten Räume zum Netzwerken, für sozialen Aktivismus
    und zur aktiven Bürgerschaft.
  • Gemeinschaftsgärten fördern eine bessere Ernährung durch eine lokale
    Nahrungsmittelproduktion und bieten therapeutische Vorteile durch
    den direkten Kontakt zur Natur.
  • Unter geeigneten politischen Rahmenbedingungen und mit einer passenden
    finanziellen Unterstützung können Gemeinschaftsgärten ihr
    großes Potenzial hinsichtlich erweiterter Beschäftigungs- und Ausbildungsmöglichkeiten entfalten. 

→ Werfen Sie einen Blick in den Übersichtsbericht!

DEFINIEREN SIE IHRE IDEE

  • Interkulturelle Gärten können vielerlei Formen und Strukturen annehmen und ebenso viele Möglichkeiten für die Gärtner*innen bieten. Es gibt dafür keine allgemeingültige Vorlage.
    Erkunden Sie verschiedenen Gartenkonzepte und Erfolgsbeispiele.
  • Um neue Ideen für Ihren Standort zu bekommen, können Sie Kontakt mit bestehenden (interkulturellen) Gartenprojekten aufnehmen. Besuchen Sie Gärten vor Ort und stellen Sie Ihre Fragen an die Verantwortlichen dieser Gärten.
  • Überlegen Sie, was auf ihren Garten übertragbar ist (z.B. rechtliche Informationen, wichtige und hilfreiche Kontakte).
  • Machen Sie sich vorab Gedanken über:
    • Berücksichtigung der örtlichen Gegebenheiten und Möglichkeiten bei der Konzepterstellung
    • Frühzeitige Einbeziehung von potentiellen Gärtner*innen und Gartennutzer*innen
    • Berücksichtigung gemeinsamer Interessen (Zeit und Raum für Entwicklung lassen)
    • Planung und Beschaffung des benötigten Materials und von Personen, nützlicher Netzwerke; Hilfestellung durch nützliche Netzwerke
  • Achtung: Planung ist ein fortlaufender Prozess!

Interkulturelle Gärten sind "Nachbarschaftsprojekte".

  • Es ist ratsam, Nachbar*innen, benachbarte Firmen und Institutionen sowie etwaige Bürgerinitiativen in der Nachbarschaft frühzeitig über Ihre Idee der Gründung eines interkulturellen Gartens zu informieren.
  • Interkulturelle Gärten sind als soziale Integrationsprojekte am effektivsten, wenn Nachbarn, Schulen, Kindergärten und andere Institutionen in der Umgebung davon wissen und sich aktiv an der Gartenentwicklung beteiligen können.
    → Starten Sie beispielsweise mit Veranstaltungen für Kinder aus der Nachbarschaft
  • Organisieren Sie eine Begrüßungsveranstaltung. Fragen Sie Besucher*innen nach deren Ideen und ob sie am Gartenprojekt teilnehmen möchten. Laden Sie z.B. über einen Artikel in der Lokalzeitung ein.
    → Erfolgsbeispiel: Organisation einer Informationsveranstaltung

Bilden Sie ein vertrauenswürdiges und nützliches Netzwerk auf

  • Die meisten interkulturellen Gärten entstehen durch die Zusammenarbeit verschiedener Menschen und Gruppen.
    Möglichkeiten der Zusammenarbeit  
  • Analysieren Sie sorgfältig das Umfeld des Projektes: Welche Institutionen, Vereine, Politischen Interessensgruppen, Behörden oder Unternehmen sind in der Gegend? Wer könnte dabei helfen, das Projekt voranbringen? Wer könnte Wissen, Ressourcen oder Kontakte haben, um als Partner der Garteninitiative zu fungieren? Wer könnte Bedenken und Vorbehalte gegenüber der Gründung des interkulturellen Gartens haben?
  • Nehmen Sie Kontakt mit Organisationen in Ihrem Umfeld auf, die bereits mit Migrant*innen arbeiten. Nehmen Sie Kontakt zu Personen und Institutionen auf, die über ein breites Netzwerk verfügen, um Informationen zum geplanten Garten zu verbreiten. Lade sie Interessensgruppen ein, um das Projekt gemeinsam zu entwickeln.
    Ein Beispiel für einen erfolgreichen Ansatz zur Verbeitung von Informationen über Ihr Projekt: das "Begegnungscafé".

Finden Sie ein geeignetes Gelände als Standort für Ihren Garten

  • Der Standort sollte sich in der Nähe des Wohnorts der meisten Gärtner*innen oder Teilnehmer*innen am Gartenprojekt befinden und möglichst zu Fuß oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar sein.
  • Pflanzen brauchen guten Boden zum Gedeihen (Anbau direkt im Boden oder im Hochbeet, je nach Untergrund). Zudem muss Sonnenlicht und eine Wasserversorgung des Gartens gewährleistet sein.
  • Sie benötigen genügend Platz für die Pflanzbeete, Gartengeräte, Kompostflächen, einen Bereich für Zusammenkünfte oder Veranstaltungen und weitere Einrichtungen wie Toiletten oder einen gesicherten Spielbereich für Kinder.
  • Abhängig von Ihren Vorstellungen benötigen Sie möglicherweise zusätzliche Räumlichkeiten für Workshops, abgetrennte Beratungsecken oder Kochbereiche.

Wie finden Sie einen geeigneten Platz für Ihren interkulturellen Garten?

  • Überlegen Sie, wer in Ihrem Ort geeignete Grundstücke besitzt oder zur Verfügung stellen könnte: Beispiele: Gemeinden, Ortskirchen, Wohnungsgenossenschaften, soziokulturelle Vereine und Organisationen, Mehrgenerationenhäuser, Nachbarschaftszentren, Umweltbildungszentren, Jugendclubs, Kleingartenvereine, Landwirte oder Einzelpersonen.
    • Wenn Sie nicht fündig werden, geben Sie nicht auf. Am besten, Sie beginnen mit einer Anfrage bei Ihrer Gemeindeverwaltung.
    • Wenn Sie ein mögliches Grundstück im Blick haben, recherchieren Sie den*die Eigentümer*in und kontaktieren Sie ihn*sie, um Ihr Anliegen zu erläutern.
  • Sobald Sie mit interessierten Eigentümer*innen in Kontakt stehen, kann es nützlich sein, das Projekt an Hand von Bildern und Erfahrungsberichten von Garteninitiativen in anderen Orten erklären zu können.


Sie haben bereits eine kleine Gruppe an Gärtner*innen, die sich an Ihrem Projekt beteiligen? Überlegen Sie, wie Sie noch mehr Menschen einbeziehen können: sowohl Gartenteilnehmer*innen als auch Unterstützer*innen des Projektes. Überlegungen zur Erweiterung der Gruppe sollte in Zusammenarbeit mit allen Beteiligten erfolgen.

Mögliche Herangehensweisen:

  • Sammeln Sie Anfragen und Wünsche von allen Teilnehmer*innen der Gartengruppe: Was könnte den Garten bereichern? Gibt Bereiche, die auf großes Interesse stoßen (z.B. Bienenvölker)? Was kann zu Konflikten führen? Welche Ideen lassen sich kombinieren?
    → Bieten Sie Möglichkeiten um Wünsche äußern zu können.
  • Planen Sie so genau wie möglich:
    • Besorgen Sie den Grundriss des Grundstücks oder zeichnen Sie selbst einen
    • Erfassen Sie wie das Grundstück ausgestattet ist (Gebäude, Stromanschluss) und was nicht veränderbar ist.
    • Bringen Sie die Wassersituation in Erfahrung. Gibt es bereits eine Leitung oder einen Brunnen auf dem Grundstück? Können Sie Regenwasser sammeln?
    • Analysieren Sie den Bodenzustand und die Bodenqualität. Ist der Boden verdichtet oder kontaminiert?
  • Halten Sie stets Rücksprache mit den Grundstückseigentümern
  • Direkte Nachbar*innen könnten sich durch zunehmenden Geräuschpegel und "neue Menschen" gestört fühlen.
  • Überlegen Sie, ob es zusätzliche Betroffene gibt, die mit dem Garten in Kontakt kommen:  z.B.  Hundehalter*innen, Teenager oder Kinder, die sich vorher auf dem Areal getroffen haben, oder Personen, die vorhandene Wege als Abkürzungen nutzen etc. 
  • Um Konflikte mit diesen Betroffenen zu vermeiden, ist es ratsam, das ‚eigene‘ Grundstück dahingehend zu beobachten und diese Betroffenen anzusprechen. Informieren Sie sie über die Anwohner*innen und finden Sie heraus, wozu sie den Garten nutzen. Warum laden Sie sie nicht einfach ein, Teil Ihrer Garten-Community zu werden?
  • Stellen Sie gleich bei der Gartengründung Wegweiser und Infotafeln mit den grundlegenden Informationen zu Ihrem Garten auf und vergessen Sie nicht, Ihre Kontaktdaten (z.B. Email-Adresse des Gartens) und einen freundlichen Hinweis zur Teilnahme am Gartenprojekt anzubringen.

BINDEN SIE DIE TEILNEHMER*INNEN EIN

Wie funktioniert die Kontaktaufnahme mit potentiellen Teilnehmer*innen (Gärtner*innen und Gartennutzer*innen)?

  • Organisieren Sie eine Informationsveranstaltung für Nachbar*innen.
    → Siehe hier
  • Bringen Sie eine Liste in Umlauf, in die sich Interessierte eintragen können.
  • Nutzen Sie die lokale Zeitung oder andere lokale Medien, um das Projekt bekannt zu machen.
  • Versuchen Sie, eine möglichst gemischte Gruppen zu dieser Veranstaltung einzuladen und wiederholen Sie dies bei Bedarf.
  • Wenn Sie bereits ein Grundstück haben, laden Sie die Leute dorthin ein.
  • Organisieren Sie regelmäßige, offene Treffen und veröffentlichen Sie die Termine. Schaffen Sie Möglichkeiten, damit Menschen Sie kontaktieren können.
  • Informieren Sie relevante Institutionen und Initiativen in der Umgebung und bitten Sie sie das Projekt bekannt zu machen. 

Wie funktioniert die Kontaktaufnahme mit Migrant*innen?

  • Nehmen Sie so früh wie möglich Kontakt mit Migrations- und Flüchtlingsverbänden, Kirchen, Organisationen und potenziellen Partner*innen auf, die sich mit Migrant*innen beschäftigen oder arbeiten.
  • Fördern Sie persönlichen Kontakt und eine Vertrauensbasis. Ehrenamtliche, Asylberater*innen und Sozialarbeiter*innen in der Flüchtlingsarbeit haben Erfahrungen und können Vertrauen aufbauen.
  • Bitten Sie sie, eine Informationsveranstaltung zu organisieren oder mit Migrant*innen und Geflüchteten zum Grundstück zu kommen.
    → Ein erfolgsversprechendes Beispiel: das “Nachbarschaftscafé”
     

Wie kann man den interkulturellen Garten z.B. Migrant*innen erklären?

  • Bedenken Sie Sprachprobleme; arbeiten Sie mit einfachen Modellen, Zeichnungen und Fotos. Es könnte schwierig sein, den Sinn und Wert eines interkulturellen Gartens zu erklären.
  • Berücksichtigen Sie, dass das Interesse an der Gartenarbeit bei Migrant*innen nicht unbedingt im Mittelpunkt steht. Gärten können als Orte der Begegnung und des Lernens noch mehr bieten. Zum Beispiel: Feste feiern, Picknick, gemeinsames Kochen und Essen, Basteln, Seminare, Sprachkurse in Deutsch, kreative Aktivitäten mit und für Kinder oder einfach nur Zugang zur Natur, andere Menschen treffen und Erholung.
    → Eine Auswahl an guten Beispielen finden Sie hier 
  • Laden Sie Migrant*innen zu Partys, Picknicks, Seminaren oder einfach nur zum Gärtnern oder zur „Freude am Garten" ein.
    → Organisieren Sie einfach ein “Gemeinschaftspicknick"
  • Ist der interkulturelle Garten noch in Planung oder soll gemeinsam mit Migrant*innen entwickelt werden, besuchen Sie mit ihnen bestehende (interkulturelle) Gärten in der Nähe, um die Idee zu präsentieren und weiterzuentwickeln. 
    → Vielleicht gibt es in der Nähe ein gutes Praxisbeispiel?

Zugang zum Garten

  • Wenn ein interkultureller Garten auf dem Gelände einer Flüchtlingsunterkunft liegt, ist es für Außenstehende aus der näheren Umgebung nicht einfach, sich zu beteiligen. Es kommt darauf an, wer die Verantwortung trägt. Bieten Sie besondere Besuchszeiten an oder besorgen Sie der Gemeinschaft eine spezielle Zugangsberechtigung.
    → Ein Beispiel für einen in einem Flüchtlingsheim integrierten Garten 
  • Fragen Sie Sozialarbeiter*innen oder andere unterstützende Initiativen an und versuchen Sie, einen einfachen Zugang für die Gärtner*innen aus der Nachbarschaft einzurichten.
  • Denken Sie daran, dass die Flüchtlinge hier leben und respektieren Sie ihr Recht auf Privatsphäre.
  • Interkulturelle Gärten liegen nicht immer in der Nähe von Flüchtlingsunterkünften. Falls der Garten nicht zu Fuß erreichbar ist, sollte es einen Ort geben, an dem die Teilnehmenden gemeinsam abgeholt werden können. Gehen Sie zur Unterkunft und laufen Sie gemeinsam zum Garten. Beachten Sie, dass nicht jeder Fahrrad fahren kann, und beziehen Sie auch öffentliche Verkehrsmittel oder Kleinbusse in ihre Überlegungen mit ein.

  • Alle interkulturellen Gärten sind unterschiedlich und werden individuell konzipiert.
  • Es bedarf einer guten Kommunikation.

→ Beachten Sie das Trainingsmodul 3: sprachliche Herausforderungen

  • Es ist ratsam, alle anfallenden Aufgaben zu veranschaulichen (aufschreiben/Visualisierung in Teams) und über Zuständigkeiten nachzudenken.
  • Für bestimmte Themen oder Zuständigkeiten können Arbeitsgruppen gebildet werden.
  • Treffen Sie wichtige Entscheidungen im Plenum.
  • Es ist wichtig, dass die Koordination nicht in der Verantwortung einer Einzelperson liegt, damit im Falle des Ausscheidens dieser Person das Projekt nicht gefährdet wird.
  • Das gemeinsame Aufstellen der Regeln innerhalb der Gruppe, um ein gute Zusammenarbeit im Garten zu ermöglichen, hat positive Erfahrungen gebracht. z. B. Pflege der Beete/Flächen, Gemeinschaftsflächen, Wassernutzung, Entsorgung von Abfällen, Umgang mit Gartengeräten, Erlaubnis von offenem Feuer/Grillgeräten.
  • Besprechen Sie, ob Regeln für eine gemeinsame Sprache (normalerweise die des Gastlandes) festgelegt werden sollen.
  • Kommunikationsregeln ("Was tun, wie tun, wie Entscheidungen treffen") sind wichtige Punkte auf der Projektagenda.
  • Die Regeln sollten nicht von Anfang an festgelegt und starr sein, sondern sich im Laufe des Projekts mit entwickeln.
    → Grundsätze der Zusammenarbeit in der Praxis 
  • Neu hinzukommende Gärtner*innen sollten die Möglichkeit haben, sich an der Reflexion, den Veränderungen und Neuerungen des Gartens zu beteiligen.

  • Klare Vereinbarungen und Informationen zum „Stand der Gartenarbeit“ sind wichtig für interkulturelle Gärten ohne individuelle Parzellen z.B.: wann/wo/was getan wird und was noch zu tun ist.
  • Einige interkulturelle Gärten nutzen soziale Medien, um Aufgaben, Ereignisse und Fortschritte zu beschreiben - aber kein virtuelles Werkzeug ersetzt den persönlichen Kontakt!
  • Vermeiden Sie zu viele Regeln und Einschränkungen:
    Es ist schwierig, Vorschriften und deren Anwendung in verschiedenen 
    Situationen richtig zu verstehen. Zu viele unklare Regeln können dazu führen, dass die Migrant*innen sich nicht trauen, selbst etwas zu tun.
  • Eventuell haben nicht alle Menschen die am interkulturellen Garten teilnehmen eine E-Mail-Adresse oder ein Smartphone; nicht jeder nutzt gerne soziale Medien!
  • "Telefonpartner*innen" können Informationen an diejenigen weitergeben, die keine E-Mail-Adresse oder keinen Internetzugang haben.
  • Die wichtigsten Informationen und Richtlinien des Gartens sollten gut sichtbar an einem leicht zugänglichen Ort (Informationstafeln, Gartenbücher) angebracht werden.
  • Manche Personen besuchen den Garten nur ein- oder zweimal : Versuchen Sie alle neuen Gesichter zu begrüßen. Zeigen Sie ihnen alles, beantworte Sie Fragen, fragen Sie sie, was sie tun wollen. Spornen Sie sie an selbst aktiv zu werden. Motivieren Sie sie, zurückzukommen!

DIE REGELMÄSSIG ANFALLENDEN ARBEITEN ANGEHEN

  • Analyse der Bodenverhältnisse; gemeinsam mit den potenziellen Gärtner*innen prüfen, welche Ressourcen benötigt werden.
    Siehe hier
  • Planen Sie modular und beginnen Sie mit den Grundlagen (z.B. Beetposition, Boden und Substrate, Saatgut und Pflanzen, Wasser, Werkzeuge). “Denken Sie an low-tech Lösungenl”
  • Erstellen Sie eine Liste von Materialien und besprechen Sie, was wirklich gebraucht wird und was optional ist.
  • Denken Sie an Dinge, die möglicherweise aus zweiter Hand beschafft werden können, und an Materialien, die weiterverwendet, repariert oder upgecycelt, geteilt oder geliehen werden können.
    →  Upcycling Möglichkeiten
  • Beziehen Sie Personen ein, die Materialien oder Dienstleistungen zur Verfügung stellen können.
  • Erstellen Sie einen Budgetplan für die notwendigen Investitions- und Betriebskosten.
    → Weitere Hinweise dazu finden Sie hier
  • Bitten Sie das örtliche Gartencenter, nahe gelegene Baumärkte oder die kommunale Grünflächenverwaltung um das Sponsoring von Material (Substrat, Pflanzen, Holz, Steine), Werkzeugen und Dienstleistungen (z.B. Transporte).
  • Mit regelmäßigen kleinen Beiträgen der Gärtner*innen können Sie Eigenmittel generieren: z.B. "Kaffee- und Kuchenveranstaltungen", kleine Gebühren für Seminare oder ähnliche Aktivitäten.
  • Bei größeren Investitionen sollten Stiftungen und Wettbewerbe in Betracht gezogen werden. Es muss jedoch  geklärt werden, ob Ihre Organisation aus rechtlicher Sicht finanzielle Zuwendungen akzeptieren darf.
  • Überlegen Sie, ob es Möglichkeiten zu Crowdfunding gibt.

→ Weitere Hinweise dazu finden Sie hier

  • Interkulturelle Gärten als Projekte der sozialen Integration können ihre Potenziale am besten entfalten, wenn Personen teilnehmen, die die Zeit und das Wissen haben, das Projekt zu koordinieren und zu entwickeln. Die Aufgaben sind vielfältig und je nach Konzept kann es schwierig sein, alles auf ehrenamtlicher  Basis zu bewältigen. Aufgaben müssen bewusst gemacht, verstanden und verteilt werden. Aber nicht alle können und wollen in gleichem Maße mitwirken, und nicht jeder hat Vertrauen in seine Fähigkeiten.
  • Zu verteilende Aufgaben: Projektkoordination; Einladung zu Meetings; Mediation; PR & Information; Werbung; Lobbying; Vernetzung und Initiator*in der Zusammenarbeit; Fundraising; Gartenexpertise; Aktivitätsplanung für soziale Integration jenseits des Gartenbaus.
  • Intern und extern kommunizieren, konstruktiv mit Konfliktsituationen umgehen. → Modul 5
  • In interkulturellen Gärten sind persönlicher Kontakt und Vertrauen wichtig. Die Arbeit mit Migrant*innen erfordert verständliche Informationen und Hilfestellungen sowie die kontinuierliche Ermutigung und Unterstützung der Migrant*innen.
  • In einigen Ländern kann es schwierig sein, Mittel für eine/einen bezahlte Mitarbeiter*in für die Koordination zu beschaffen: Finden Sie Teilzeitkräfte oder freiberuflich Arbeitende.
  • Koordinator*innen und Arbeitsgruppen auf ehrenamtlicher Basis sollten darüber nachdenken, wie viel Zeit sie in das Projekt "investieren" können und die Pläne und Ziele darauf abstimmen.
  • Finden Sie mehr Menschen, die Teil des Vorstands sein können und wollen. Fragen Sie Gärtner*innen, andere Gartennutzer*innen und Partner*innen, ob sie bestimmte Aufgaben übernehmen können.
  • Bieten Sie Praktika an und knüpfen Sie Kontakte zu Schulen, Universitäten und anderen Bildungseinrichtungen.
  • Arbeiten Sie mit Freiwilligenorganisationen und relevanten Plattformen zusammen.
  • Regelmäßige Treffen sind eine Gelegenheit für die Gärtner*innen und die Gruppe um sich zu treffen, Informationen zu sammeln, Fragen zu stellen, zu diskutieren, zu entscheiden und zu planen, welche Aufgaben und praktische Arbeiten zu erledigen sind. Beginnen oder beenden Sie die Treffen mit einem Essen, als zusätzlichen Anreiz zur Teilnahme.
  • Organisieren Sie regelmäßige "Gartentage" z.B. einmal pro Woche oder zweimal pro Monat  als Treffen für die Teilnehmenden.
    →  Beispiel für “Tage des offenen Gartens” 
  • In Gärten, in denen Migrant*innen ihre eigenen Parzellen bewirtschaften, ist es wichtig, dass Menschen, die sie bereits kennen oder die (neue) Migrant*innen einweisen zu festen Zeiten dort sind, damit sich die neuen Gärtner*innen nicht verloren fühlen.
    Beachten Sie: Termine und Vereinbarungen werden nicht immer eingehalten, Zeiten werden in verschiedenen Kulturen unterschiedlich verstanden und gelebt.

  • Verwenden Sie auffällige, aktuelle Schilder, Banner oder wetterfeste Poster. Platzieren Sie diese an öffentlichen Orten in der Nähe (Bibliotheken, Kirchen, Nachbarschaftsinitiativen) und bitten Sie sie, Flyer auszulegen.
  • Richten Sie eine Website mit einem Newsletter und einer Kontakt-E-Mail-Adresse ein und nutzen Sie - je nach Zielgruppe – Auftritte in den sozialen Medien und halten Sie diese auf dem neuesten Stand. Achten Sie auf Fotos und beachten Sie unbedingt die Allgemeine Datenschutzverordnung (GDPR).
  • Halten Sie von Anfang an Kontakt zur Presse. Informieren Sie Bezirkszeitungen, lokale Tageszeitungsredaktionen und Kirchenzeitungen.
  • Sammeln Sie alle veröffentlichten Beiträge über den Garten - egal ob Radio, Fernsehen, Online- oder Printmedien. Sie können diese Materialien und Links für Öffentlichkeitsarbeit und Förderanträge verwenden.

Kommunikation mit Migrant*innen in der Gruppe

Kommunikationswege

  • Leben Sie eine direkte Kommunikation in Form von Kleingruppengesprächen direkt im Garten.
  • Verwenden Sie schwarze Bretter, auf denen die wichtigsten Informationen in der jeweiligen Landessprache oder in Sprachen, die von möglichst vielen verstanden werden, kommuniziert werden. Übersetzungs-Apps können hilfreich sein.
  • Vereinbaren Sie in der Gruppe den Gebrauch einer gemeinsamen Messenger App und wie man mit Personen, die diese nicht verwenden wollen, den Kontakt hält

  • Um den interkulturellen Garten als einen Ort für alle zu etablieren, werden auch Aktivitäten jenseits der Gartenarbeit angeboten. Soziale Integration benötigt den Austausch und Begegnungsmöglichkeiten von Mensch zu Mensch.
  • Anregungen für Aktivitäten Filmvorführungen, Konzerte, Lesungen, Seminare und offene Diskussionen; Aktivitäten für Kinder;  bieten Sie den Nachbar*innen an, den Garten für einen Tag zum Grillen und zur Erholung zu nutzen; führen Sie regelmäßige Kochtage ein, an denen die Gärtner*innen Köstlichkeiten aus ihren Heimatländern zubereiten; laden Sie Imker*innen ein einige Bienenstöcke aufzustellen, laden Sie Sprachschulen und andere  Initiativen ein, die für Migrant*innen und Menschen mit Fluchterfahrung von Interesse sein könnten. Hier bieten sich grenzenlose Möglichkeiten!!!

Eine Auswahl an guten Beispielen finden Sie hier

ENTWICKLUNG UND BETRIEB DES ERFOLGREICHEN PROJEKTS

  • Interkulturelle Gärten sind partizipative Projekte. Diskutieren und entscheiden Sie gemeinsam, wie die beteiligten Gärtner*innen und Gruppen den Garten nutzen möchten und wie sich der Garten weiterentwickeln soll. Bedenken Sie auch folgende Aspekte: Wer kümmert sich während der Ferien um den Garten? Was passiert mit der Ernte?
  • Gibt es eine Anbaumethode, welcher die Gruppe nachgehen möchte? z.B.: Permakultur, Zwischenfruchtanbau → Permakultur
  • Nutzen Sie die ruhigere Wintersaison, um die Garteninfrastruktur neu zu bewerten.
    z.B: Sind alle Geräte gewartet? Sind die Wege zwischen den Betten breit genug? Muss die Anzahl der Beete angepasst werden? Ist die Gruppenkommunikation zufriedenstellend? Werden Aktivitäten oder Veranstaltungen gut besucht?
  • Erstellung von Jahresbudgetplänen Anstehende Investitionskosten und laufende Kosten; Kosten für anstehende Aktivitäten; Kosten für die Koordination des Gartens; Personalkosten.
  • Berücksichtigen Sie alle Eventualitäten in der Gruppe, um unvorhergesehene Ausgaben zu vermeiden.
  • Fragen Sie erfahrene Partner*innen, andere Gartenprojekte, Politiker*innen oder andere Organisationen nach Tipps, wo Sie Fördermittel beantragen können.
  • Internetrecherche: Es existieren Newsletter zu Fördermöglichkeiten und Förderdatenbanken; suchen Sie nach geeigneten Stiftungen, relevanten Ausschreibungen und Förderpreisen.
  • Halten Sie sich im Förderprozess strikt an die formalen Vorgaben, zögern Sie jedoch nicht, sich telefonisch direkt an die Behörden oder Sponsor*innen zu wenden.

  • Netzwerke und Kooperationen sind unerlässlich, um
    • den interkulturellen Garten noch bekannter zu machen und mehr Gärtner*innen, Gartennutzer*innen und Unterstützer*innen zu gewinnen.
    • herauszufinden, wo Materialien beschafft, geteilt oder ausgeliehen werden können.
    • herauszufinden, ob im Winter projektfremde Räumlichkeiten für Treffen,  Kochveranstaltungen oder andere Aktivitäten genutzt werden können.
    • informiert zu sein und sich aktiv an Nachbarschafts-/ Gemeinschaftsthemen zu beteiligen.
    • Teil des Förderkreises für Flüchtlinge und Migranten zu sein; Aktivierung von Unterstützung bei Bedarf

Analysieren Sie, welche  Netzwerke bereits vorhanden sind und entscheiden Sie, wo Sie teilnehmen möchten und können. Denken Sie an Ihre Zeitressourcen und den Nutzen, den Sie und Ihr Projekt daraus ziehen können!

Reflexionsfragen

  • Aus welchen Gründen sollte mein interkultureller Garten existieren und mit welchen Themen und Personengruppen wollen wir uns im Garten beschäftigen?
  • Welche Interessengruppen betrifft der Betrieb des Gartens und gibt es konkurrierende Ziele zwischen diesen Gruppen?
  • Welche Ehrenamtlichen, Verbände oder andere Akteur*innen können das Management und die Organisation des interkulturellen Gartens aktiv unterstützen?
  • Welche zusätzlichen Fähigkeiten muss die Gartenleitung oder das Organisationsteam entwickeln, um den interkulturellen Garten nachhaltig zu betreiben?

Selbstkontrolle für Gartenleiter*innen. Haben Sie das Trainingsmodul verstanden?

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